Zurück in die Zukunft!

Göttingen –  eine Geschichte zwischen Tatsachen und Behauptungen

„Auf der Karte werdet ihr Gebäude finden, die stehen schon seit langer Zeit nicht mehr“ So präsentierten am Freitag Genossen aus Göttingen den Tagesablauf für den kommenden Tag. Und, als wäre es Konzept gewesen, vom Polylux, (Ich weiß bei euch im Westen heißt das Ding anders) bis zum Publikum, alles wirkte als wäre man in einer  Geschichte von Bernd Langer.
Der Freitag sollte dementsprechend  diszipliniert verlaufen – zumindest für mich. Nicht so ernst nahmen es meine Gastgeber. Bei diesen Herrschaften konnte ich  schon froh sein das sie mich nach 5 Min. nicht schon wieder vergessen hatten. In besonderer Erinnerung blieb dabei eine Dame die mit dem Kommentar „Du bist doch Kommunist“ den angesprochenen die Kippen abzog, was mehrfach zu beobachten war. Alle paar Min. laberten mich irgendwelche Westkids an, ich war der Ossi – anfassen allerdings war verboten. Zum Glück ging es  gegen frühen Morgen in eine Wohnung die sich, zu meinem Einsetzen, als meine Schlafstelle herausstellen sollte. Kurz überlegte ich ob man auch im JuZI schlafen könne. Aber ich wollte mich nicht noch unbeliebter machen. Nach quälend langem hin und her, wer denn nun wo schlafen würde, machte ich es mir auf dem Boden neben einem Aquarium kuschelig. Zu Bernd Langers Erzählungen schlief ich ein und wachte ein paar Stunden später wieder auf.  Erst ging ich in den Roten Buchladen, fand dort aber nichts was ich unbedingt hätte haben wollen, danach eine heiße Zitrone und ins Grüner Libanon zum Frühstück. Der Laden ist echt gut. Danach war es auch schon Zeit zum Gänseliesel aufzubrechen. Was in Göttingen heißt, ein paar Meter gerade aus und man ist da. Dort parkte ich mich wieder in eine Kaffee um die Lage zu beobachten und danach zu entscheiden ob und wo ich mitlaufen würde.

Auf dem Platz sah es kurz vor 15Uhr noch nicht nach Wut und Trauer gewandelt in Widerstand aus. Einige Punker mit Bierkästen, Schaulustige Bürger, Bullen und ein kleiner Haufen Autonomer. Wie sich herausstellen sollte, waren die Schaulustigen Bürger Teilnehmer der Demonstration. Im Osten kennt man das nicht. Leute über 40 sind Zivis oder andere Arschlöcher (vom Örtlichen Bündniss gegen Sozialabbau zB.).  Nach einer Weile kam der erste Demonstrationsblock. Ich glaube es waren die Drogis von der Redical [M]. Zu weiten teilen vermummt und Parolen rufend stellten sie sich auf.

Jetzt wurden auch die ersten Cops kribbelig. Kurze Zeit später kam die A.L.I., auch vermummt, auch im Block auch mit Parolen. Dabei hatten sie ein Transpa das wohl auch  aus den 80ern stammen musste. Die [M] hatte irgend ein Philosophen-bla über die falsche Freiheit am Start. Ganz im Gegensatz dazu die A.L.I., klassisch und der Veranstaltung angemessen verzichteten diese auf Studentenniveau und trugen ein Transpa mit der Aufschrift: „Krieg dem Imperialistischen Krieg“ Der Punkt ging an die A.L.I..

Etwas enttäuscht war ich darüber das die A.L.I.  zu spät kam und damit ihren Platz in der ersten Reihe an die [M] abtreten musste. Falsch! Zu spät gekommen sind sie zwar aber das hinderte die A.L.I. freilich nicht ihre Innerlinken Machtansprüche geltend zu machen und so zogen sie einfach an der [M] vorbei und parkten sich vorerst vor dieser ab. Nach diesen ersten Schwanzvergleichen wollten auch die Bullen mitspielen. Der Platz war mittlerweile voll. Viele standen in Ketten und vermummt da, Spannung machte sich breit wie die Bullen reagieren würden. Diese versuchten es gleich mit der denkbar ungünstigsten Variante: sie appellierten an die Vernunft der Teilnehmer. Es brauchte nicht lange bis auch die Cops rafften, Linken mit Vernunft zu kommen ist Perlen vor die Säue oder Eulen nach Athen tragen. Der nächste Versuch war dann schon in einer Sprache die auch der junge Autonome verstand. Gewalt! Gewalt, an so einem Tag! Ein Skandal! Los ging das Geschiebe. Erst versuchte die Demo in die eine Richtung zu laufen, als das an den Bütteln des Schweinesystems scheiterte, versuchte man es in eine  andere Richtung. Das Spiel ging eine ganze Weile. Irgendwann hatten die Häscher keinen Bock mehr und ließen die Demo los laufen. Im Spaziergang ging es durch die Innenstadt.

Immer wieder wurde von einem Lauti (Modell 80er Jahre) auf das Warum der Demo aufmerksam gemacht. Immer wieder stoppte die Demo weil die Ordnungshüter etwas zu bemängeln hatten. Meist wurde dies ignoriert und so ging es dann wieder weiter. Kaum war der Zug aus der Innenstadt raus wurden auch die Bullenketten dichter. Richtig nervig wurde es dann an der Todesstelle der Genossin Conny. Dort nutzen die Streifenhoernchen im modisch schwarzen Strampler die Gunst der Stunde und fischten sich einzelne Demonstranten. Es kam zu kleinen Rangeleien und am hinteren Ende fuhren Wasserwerfer und ein Räumpanzer auf.

Nach dieser bescheuerten Aktion ging es weiter. Allerdings war die die Demonstration sichtlich geschrumpft. Die letzten Meter verliefen störungsfrei. Nur vor einem Burschihaus streckten alle noch mal ihren Mittelfinger in die Luft und riefen „buh“ oder so – ein paar Pyros wurden verschossen. Aber spätestens da zeigte sich, bei allen Bemühungen um ein Revivel, schoss man hier die Pyros in die Luft und nicht wie früher in die Reihen der Bullen. Nach einer Weile, die ich im JuZI verbrachte, trat auch ich meinen Heimweg an, lief durch die Göttinger Innenstadt wo alles wie immer wirkte.

Göttingen hätte in die Geschichte eingehen können …. hätte.

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