Diary of boredom II

2. Tag:

8:15Uhr, es gibt Frühstück. Wieder Stulle, wieder Wurstbelag. Ein Glas Nutella finde ich aber immerhin auch auf dem „Buffet“. Dazu sehr dünner Kaffe und Musik aus dem Radio. In Kleinbussen fahren wir danach in das Naturschutzgebiet Hainich. Erst einmal werden wir durch ein „Erlebnismuseum“ getrieben; ich bin gelangweilt von den ganzen grundschulgerechten Spielzeugen und lasse mich in die großen Sitzsäcke fallen, die überall verteilt liegen.

Meine Begleiter dagegen sind fasziniert, drehen, schrauben, klopfen auf alles was es zu bewegen gibt. Ich höre mir lieber Nachrichten an um mir nicht ganz so aus der Welt vorzukommen. Danach soll es nun wirklich und so richtig in den Hainich gehen. Ein Typ, den wir als Ranger ansprechen sollen, erklärt uns, es habe Meinungsverschiedenheiten zur Begehbarkeit des Pfades gegeben. Man habe sich aber auf die Ausnahme geeinigt, uns trotz der Schneewehen einzulassen. Alle sind begeistert und voller Lobesworte. Ich jedoch frage mich ob dieser Beginn nicht vielmehr so standardisiert ist wie er klang. Egal, jetzt geht es auf den Baumkronenpfad. Auf Kronenhöhe durch den Wald laufen ist nett, aber der Winter lässt die Welt im Schnee versinken und so wirkt alles gleich. Mittelpunkt ist eine Aussichtsplattform in 47 Metern Höhe. Mehr sieht man hier aber auch nicht.

DAS war also DER Hainich! Nicht dass ich von Natur etwas anderes erwarten würde, zumindest nicht in diesen Regionen, aber bei der pompösen Ankündigung – Urwald und so – habe ich schon etwas anderes erwartet. Tiere sieht man übrigens auch keine. Ist ja Winter, versteht sich, die „schlafen“.  Nachdem wir also den Hainich von oben sehen konnten, wandern wir noch über zwei Stunden durch Wald und Flur. Immer wieder versinke ich tief im Schnee, kippe um, rutsche aus oder komme gar nicht mehr weiter. Ich habe jetzt eine Vorstellung von Opas Umzug aus den Ostgebieten, mir aber gefällt es.

Schnee weht mir ins Gesicht, die Finger frieren ab und ob ich noch alle Zehen dranhabe ist fraglich. So geht es Schritt für Schritt weiter. Die Natur scheint mir eine Falle gestellt zu haben, ich finde den Weg nicht mehr. Also einfach querfeldein. Schollen von Eis brechen unter meinen Füßen und ich bin etwas am Wimmern. Kurz bevor ich aber aufgegeben und mich zum sterben niedergelegt hätte, taucht aus dem Nichts ein Friedhof auf. Ein Zeichen?! Ja! Ich habe gegen die Natur gewonnen und befinde mich wieder am Rand von Craula. Eingeschneit stapfe ich durch das Dorf und schon bin ich wieder in der Herberge. Schuhe, Socken und ich auf die Heizung, dann Mittag. Mittag bedeutet hier: Stulle mit Wurst.
Gegen Abend dann ein Vortrag über Fledermäuse. Mit einer mir fremden Begeisterung redete ein Waldschrat (Typ: Weihnachtsmann im Supermarkt mit Hang zum Alkoholismus) knapp zwei Stunden über die kleinen Flattermänner. Infokasten: der nächste Verwandte der Fledermaus ist der Maulwurf – Infokasten Ende. Auf dem Dachboden entdeckten später Mitreisende eine Tischtennisplatte und so war ich die nächsten Stunden damit beschäftigt, rechtzeitig den Ball zu sehen und zuzuschlagen. Nachdem ich auf dem Dachboden alte Matratzen gefunden habe, (erinnerten stark an diverse Bandpennen und rochen auch so) verlegte ich dorthin mein Nachtlager. Ich erhoffte mir Ruhe und Einsamkeit und schlief zu „Old man in new car“ ein. 3:30Uhr wurde ich jäh aus meinen Träumen gerissen. Eine Horde stark alkoholisierter Jugendlicher hatte sich entschieden, die Party auf den Dachboden zu verlegen. Erst versuchte ich einfach, nicht gefunden zu werden und verkroch mich noch weiter im Gebälk. Ein Tischtennisball lies mich aber auffliegen. Ich im Schlafsack, müde und wütend, über mir eine Bande gackernder Mädels. In völliger Missachtung meiner Privatsphäre zog ich mich vor den Hassobjekten an und verließ, meinen Schlafsack hinter mir herziehend, den Dachboden um an anderer Stelle ein ruhiges Plätzchen zu finden.

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